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Von der Hefezelle zur DHW - Frischbackhefe
Die Hefezelle: Jede einzelne Hefezelle ist ein selbständiger
Mikroorganismus, der zu den einzelligen Pilzen gehört. Sie hat ein
rundes bis ovales Aussehen mit einem Durchmesser von 6 - 8 Tausendstel
Millimeter. Das Zellinnere ist mit einer durchsichtigen Masse, dem Protoplasma
gefüllt. Hier befinden sich der Zellkern, Eiweiß, Fette, Salze
usw., sowie mit Zellsaft gefüllte Hohlräume, die Vakuolen. Es
spielen sich in dieser winzigen Zelle alle für ein Leben wichtigen
Stoffwechselvorgänge ab.

Hefezellen
Was macht die Hefezelle für den Bäcker so
interessant: Es ist die Fähigkeit, in einer zuckerhaltigen Lösung
den Zucker zu Alkohol und Kohlensäure abzubauen. Wird die Hefe bei
der Teigbereitung eingesetzt, bildet sich der erforderliche Zucker aus
dem Stärkeanteil des Mehles und der Umsetzungsprozess beginnt. Die
entstehenden Spuren von Alkohol verleihen dem Gebäck einen charakteristischen
Wohlgeschmack, während die Kohlensäure als Bläschen den
Teig in allen Teilen durchdringt und damit gut auflockert.
Vermehrung der Hefezellen:
Bringt man Hefezellen in eine Nährlösung unter gleichzeitiger
Zufuhr von Luft, beginnen die Hefezellen zu sprossen. Es bildet sich an
der Hefezelle eine knospenartige Verdickung, die so lange wächst,
bis sie die Größe der Mutterzellen erreicht hat. Die nun entstandene
Zelle kann dann ebenfalls sprossen. Es findet also eine laufende Verdoppelung
statt.
Voraussetzungen und Ablauf der Hefefabrikation:
Voraussetzung für die systematische Züchtung einer hervorragenden
Frischbackhefe sind neben der technischen Voraussetzung das Vorhandensein
eines geeigneten Nährstoffes und vor allem einer geeigneten Heferasse,
die allen Anforderungen gerecht wird.

Melasse
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Durch den Gehalt an Zucker und Stickstoffverbindungen
ist Melasse wichtigster Nährstoff für die Hefezellen.
Die Melasse ist ein Nebenprodukt der Zuckerherstellung. Je nach
Ausgangsprodukt entsteht Zuckerrohr- und Zuckerrübenmelasse,
die von den Zuckerfabriken als Rohmelasse abgegeben wird. In diesem
Zustand ist sie meist sehr dickflüssig (honigartig) und versetzt
mit Verunreinigungen in fester und flüssiger Form.
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Um aus der Rohmelasse eine hefegerechte Nährlösung
zu erhalten, muss sie aufbereitet werden. Sie wird dazu mit Wasser verdünnt
und dann durch Klärzentrifugen von den Verunreinigungen befreit.
Eine weitere, sich anschließende Aufbereitungsstufe - die Hitzesterilisation
- sorgt für die Eliminierung noch vorhandener Fremdkeime, wie u.a.
Bakterien, welche die Vermehrung gezüchteter Hefezellen behindern
würden.
Alle heute eingesetzten Backhefen entstammen der Gattung
Saccharomyces cerevisiae. Aus dieser Gattung werden durch langwierige
Versuchsreihen jene Hefezellen (Betriebsstämme) ausgewählt,
die die gewünschten Anforderungen erfüllen, z.B. Kohlendioxydentwicklung
(Triebkraft) und Haltbarkeit, bei Spezialhefen z.B. der Vitamingehalt.
Der so ausgewählte Stamm kommt dann im fabrikmäßigen Züchtungs-
und Vermehrungsprozess zum Einsatz.

Labor
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Der Vorgang der Zellvermehrung wird im Labor eingeleitet,
indem sterile Nährlösung mit einer Kleinstmenge des gewünschten
Hefestammes beimpft wird. Gute Ernährung und ideale Lebensbedingungen
sorgen für schnelle Vermehrung, so dass in immer größere
Kultur-Gefäße umgesiedelt werden muss. So entstehen im
Labor die ersten 200 g Hefe (man spricht hier von Laborreinzucht),
die dann zur weiteren Vermehrung in den Betrieb gehen.
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Hier wird die Hefe unter Zugabe der aufbereiteten Melasse soweit vermehrt
(Betriebsreinzucht), bis aus den ursprünglichen 200g dann 200 kg
geworden sind. Diese Menge dient als Vorlage (Anstellhefe) für die
endgültige Vermehrungsstufe in den Gärbottichen.

Fermenter
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Die Gärbottiche sind riesige, über zwei
Stock reichende Großfermenter mit ca. 200.000 Ltr. Fassungsvermögen.
In dieser letzten Vermehrungsstufe lässt man die Hefe unter
Zugabe von Melasse und Nährstoffen einschließlich Spurenelementen
und Vitaminen so lange fermentieren, bis die Menge der Hefezellen
eine gewünschte Größenordung erreicht hat.
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Über Filter und Spezialgebläse wird die für
die schnelle Vermehrung der Hefe notwendige, gereinigte Luft in die Gärbottiche
geblasen.
Da bei der Vermehrung ständig Wärme entsteht
und bei den großen Mengen im Gärbottich die normale Wärmeabfuhr
über die Bottichwandung nicht ausreicht, muss in dieser Reifungsstufe
zusätzliche Kühlung erfolgen, um den relativ engen, für
das Hefewachstum optimalen Temperaturbereich zu gewährleisten.
Nach Abschluss des Vermehrungsvorganges muss die verbrauchte Nährlösung
(Würze) mit Hochleistungsseparatoren (Zentrifugen) von der Hefe getrennt
werden. Anschließend wird die Hefe in mehrfacher Wiederholung mit
Wasser aus eigenem Tiefbrunnen gewaschen und jeweils erneut separiert.
Die gewaschene Hefesuspension wird in Vorratsbehälter
gepumpt und dort bis zur Weiterverarbeitung gelagert. Die Lagerung erfolgt
unter Kühlung, um die Aktivität der Hefezellen zu erhalten.

Vakuumdrehfilter
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Im weiteren Produktionsablauf, d.h. Vorbereitung
der Hefe für die verkaufsfähige Konfektionierung, wird
der Hefebrei auf Drehfilter gegeben, wo während der Drehung
das Wasser mit Vakuum soweit entzogen wird, bis die gewünschte
Trockensubstanz erreicht ist.
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1 g Hefe enthält jetzt ca. 10 Milliarden Zellen.
Am Ende einer jeden Drehung wird die Hefe mit Messern abgeschält.
Dieser Vorgang läuft kontinuierlich. In der anschließenden
Verpackung wird die anfallende Hefemasse mit einer Strangpresse zu einem
endlosen Strang extrudiert und anschließend in 500g Blöcke
geschnitten, in wachsbeschichtetem Papier und in Zellophan verpackt.

Verpackungsmaschine
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Hierdurch wird der Gasaustausch eingeschränkt
und die Feuchtigkeit kontrolliert. So wird eine bessere Haltbarkeit
erzielt. Oder die Hefemasse wird gleich mit einer Würfelpresse
in die richtige Form (42 g Würfel) gebracht und verpackt.
Soll die Hefe in Säcken (25 kg) geliefert werden, befüllt
man diese direkt mit dem vom Hefefilter kommenden Produkt. Diese
Form besteht aus relativ feinen und leicht schüttbaren Teilchen
(rieselfähige Hefe), die das automatische Wiegen und Dosieren
ermöglichen.
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Nach der Verpackung wird die Hefe bis zum Versandtermin
im Kühlhaus bei ca. 4° C gelagert. Auf diese Weise wird
die volle Aktivität der Hefe erhalten und auch für den
späteren Transport und die Lagerung beim Endverbraucher gewährleistet.
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Trotzdem handelt es sich um lebende Organismen, die u.U. bis zu 5
Wochen keine Nahrung erhalten. Die Hefezelle hält sich durch
Verstoffwechselung zelleigener Reservestoffe am Leben. Dieser Erhaltungsstoffwechsel
ist temperaturabhängig - je kühler, desto niedriger.
Durch den Erhaltungsstoffwechsel erklärt sich auch eine permanente
leichte Gewichtsabnahme.
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BIOLOGIE
DIE HEFE: Ein einzelliger Mikroorganismus
Die Hefen sind einzellige Pilze mit einem Durchmesser
zwischen 6 - 8 Tausendstel Millimeter. Sie sind fakultativ anaerob, das
heißt sie können sowohl unter anaeroben (Stoffwechsel ohne
Sauerstoff) als auch unter aeroben (Stoffwechsel mit Sauerstoff) Bedingungen
wachsen.
Der anaerobe Hefestoffwechsel wird als Gärung definiert:
Glucose + Hefe => Kohlensäure + Alkohol + Energie
Der aerobe Hefestoffwechsel wird als Atmung definiert:
Glucose + Hefe + Sauerstoff => Kohlensäure + Wasser + Energie

Hefezelle |
Wenn man Hefe unter dem Elektronenmikroskop
betrachtet, kann man eine Zellwand, einen
Zellkern, Vakuolen, Zytoplasma unterscheiden. |
Zellwand:
150 bis 300 nm dick strukturierte Doppelschicht. Sie schützt
die zytoplasmatische Membrane.
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Zytoplasma:
Ein Art Gel, ist das Substrat des Lebens der Zelle. |
Zellkern:
Er ist von größter Bedeutung, weil er der Träger der
Erbeigenschaften der Zelle ist. Die Erbeigenschaften, die in den Genen
verankert sind, sind an die Chromosomen gebunden. |
Vakuolen:
In den Vakuolen werden die verschiedenen Reservestoffe gelagert. |

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